Tschechien ohne Vignette mit XPeng? Was hinter der “Befreiung” bei eDalnice wirklich steckt
Ich fahre selbst einen XPeng P7 und bin selten in Tschechien unterwegs. Aber im Forum kam die Frage immer wieder: “Muss ich mit meinem XPeng in Tschechien eine Vignette zahlen?”
Die kurze Antwort: Nein, als reines Elektroauto bist du befreit. Aber du musst es vorher beantragen.
Weil die offizielle Seite https://edalnice.gov.cz/de/befreiung ziemlich bürokratisch erklärt ist, habe ich euch das einmal komplett aufgedröselt.
Wer ist überhaupt befreit?
Laut Gesetz Nr. 13/1997 Sb. §20a sind von der Vignettenpflicht befreit:
Reine Elektroautos (BEV) und Wasserstoff-Fahrzeuge bis 3,5t mit 0g CO2
Das betrifft ALLE XPeng Modelle: P7, G6, G9, X9, P7+ - egal.
Das ist wichtig: Für in Tschechien zugelassene E-Autos passiert das automatisch. Für Fahrzeuge mit deutschem Kennzeichen nicht. Wer ohne vorherige Meldung fährt, zahlt trotz E-Auto Bußgeld. Seit 2021 reicht es nicht mehr, bei einer Kontrolle nur den Fahrzeugschein zu zeigen.
Plug-in-Hybride bekommen übrigens nur eine Ermäßigung, keine volle Befreiung.
So läuft die Befreiungsmeldung ab - der offizielle Weg
Auf der eDalnice-Seite gibt es den Punkt Befreiungsmeldung. Dort musst du vor der ersten Fahrt auf einer mautpflichtigen Autobahn eine Meldung einreichen.
Dafür brauchst du:
1. Ausgefülltes Formular Befreiungsmeldung (Elektroauto)
Gibt es als elektronisches Formular und als PDF. Der Link steht direkt auf der Befreiungs-Seite.
2. Pflichtanlage
Kopie der Zulassungsbescheinigung Teil I. Daraus muss hervorgehen, dass das Fahrzeug ausschließlich elektrisch angetrieben wird. Beim P7 steht da unter Antriebsart “Elektro”.
3. Die amtlich beglaubigte Unterschrift - das ist der Knackpunkt
Ein einfacher Scan per E-Mail erfüllt die Anforderungen ausdrücklich nicht.
Du hast laut eDalnice diese Vorlageoptionen:
Postdatenfach des SFDI: ID ws5mh9w
PDF mit qualifizierter elektronischer Signatur
Autorisierte Konvertierung mit beglaubigter Unterschrift bei einer Czech POINT Stelle
Original per Post an: State Fund for Transport Infrastructure (SFDI), Sokolovská 1955/278, 190 00 Praha 9, Czech Republic - in Urkundenform mit beglaubigter Unterschrift.
In der Praxis machen das die meisten über die tschechischen Konsulate in Deutschland. Die Botschaft in Berlin und die Generalkonsulate in München, Dresden, Düsseldorf sowie Honorarkonsule in Nürnberg, Stuttgart, Frankfurt, Hamburg etc. führen diese Beglaubigung im Rahmen von Czech POINT durch. Kosten liegen erfahrungsgemäß bei ca. 10–20 Euro.
Wichtig aus den Hinweisen: Anmelder ist immer eine natürliche Person, auch wenn Halter eine Firma ist. Wenn ihr über das Datenfach einer juristischen Person einreicht, muss der Anmelder der satzungsmäßige Vertreter sein.
Sammel-Befreiung und Wegfall
Wer mehrere XPengs auf sich zugelassen hat: Es gibt eine Sammel-Befreiungsmeldung, aber nur wenn alle Fahrzeuge denselben Halter haben und nach demselben Befreiungsgrund befreit werden. Dazu braucht ihr das Beiblatt im XLSX-Format.
Und wenn ihr euren XPeng verkauft oder der Grund wegfällt, müsst ihr das innerhalb von 10 Werktagen melden - dafür gibt es das Formular “Meldung über den Wegfall der Befreiungsgründe”.
Lohnt sich der Aufwand für XPeng-Fahrer?
Rechnen wir mal:
Wenn du auch nur einmal im Jahr durch Tschechien Richtung Urlaub, nach Prag oder weiter nach Polen fährst, hast du das Geld für die Beglaubigung schon wieder drin. Die Befreiung gilt, bis sich am Fahrzeug was ändert - also theoretisch unbefristet.
Mein Fazit fürs Forum: Ja, der tschechische Weg ist unnötig kompliziert. Ein einfacher Online-Check der Zulassung würde reichen. Aber wenn man den Antrag einmal durch hat, fährt man als XPeng-Fahrer komplett legal und kostenlos auf allen tschechischen Autobahnen.
Falls jemand den Prozess gerade durchmacht, postet gerne eure Erfahrungen - vor allem, welches Konsulat (für die amtlich beglaubigte Unterschrift) aktuell am schnellsten ist.
Habt ihr schon mal versucht, eine Befreiung zu beantragen?