Was ich zu dem Deal herausgefunden habe: Ich verfolge das Thema EU-CO₂-Flottenziele schon länger und was ich Anfang August in den EU-Dokumenten gefunden habe, hat mich wirklich überrascht. Porsche verlässt den CO₂-Pool des Volkswagen-Konzerns und gründet für 2026 und 2027 einen neuen, offenen CO₂-Pool zusammen mit dem chinesischen Hersteller Xpeng.
Das offizielle Filing bei der Europäischen Kommission ist vom 05.08.2026. Zuerst ist das dem Analysten Matthias Schmidt von Schmidt Automotive Research aufgefallen, danach hat es auch das Handelsblatt bestätigt. Porsche hat den Schritt gegenüber dem Handelsblatt auch bestätigt.
Warum ich denke, dass dieser Schritt logisch ist
Ich habe mir die Zahlen angeschaut. Der VW-Konzern lag 2025 bei durchschnittlich 100 g/km CO₂, das Ziel lag aber bei 93,6 g/km. Ohne die Last-Minute-Flexibilisierung der EU durch den 3-Jahres-Ausgleich hätte VW laut Analysen bis zu 2,2 Milliarden Euro Strafe zahlen müssen. Und jetzt kommt der Punkt: Der Konzern muss 2026 und 2027 deutlich unter dem Ziel liegen, um das Minus aus 2025 auszugleichen.
Porsche war bisher ein Klotz am Bein im VW-Pool. Ich sehe das so: Porsche hat in Europa noch rund 60.000 Verbrenner und Plug-in-Hybride pro Jahr. Der BEV-Anteil bei Porsche in Westeuropa ist 2026 laut Schmidt Research um fast 30 Prozent eingebrochen, von fast 40 Prozent im Vorjahr auf nur noch rund 30 Prozent. Taycan und Macan Electric schwächeln, und gleichzeitig kommt der Macan wieder als Verbrenner zurück. Mit dieser Strategie hätte VW den Flottenwert nie geschafft.
Für Volkswagen ist der Austritt von Porsche also eine Entlastung. Der restliche Konzern mit Audi, Seat, Skoda etc. hat einen besseren BEV-Fahrplan und schafft die Ziele leichter ohne Porsche.
Warum ausgerechnet Xpeng? Das habe ich geprüft.
Ich habe mich zuerst auch gewundert, warum es Xpeng wird. Aber wenn man genau hinschaut, ist es clever:
Xpeng ist kein völlig fremder Partner. Volkswagen hält 5 Prozent an Xpeng und beide entwickeln zusammen E-Autos für China.
Xpeng verkauft in Europa ausschließlich Elektroautos. Das heißt in der EU-Rechnung 0 g/km CO₂. In den ersten sechs Monaten 2026 hat Xpeng knapp 20.000 Fahrzeuge in Westeuropa ausgeliefert. Mit dem neuen Volumenmodell L03, das ab 35.600 Euro startet, rechnet Schmidt Research mit rund 50.000 Auslieferungen in 2026. Damit würde Xpeng Polestar als größten chinesischen Anbieter in Westeuropa überholen.
So funktioniert das Pooling: Meine Recherche zeigt, dass Hersteller ihre Flotten virtuell zusammenschließen dürfen. Die 0-g-Autos von Xpeng gleichen dann die hohen Emissionen der Porsche-Verbrenner aus. Wie viel Geld dafür fließt, steht nicht im EU-Dokument. Ich gehe aber davon aus, dass Xpeng dafür bezahlt wird. Beim CO₂-Pooling sind bis zu 95 Euro Strafe pro Gramm Überschreitung pro Auto fällig, da ist also Spielraum für einen Deal.
Was das für Porsche bedeutet
Ich finde, der Deal zeigt zwei Dinge ganz klar. Erstens: Porsche setzt wieder stärker auf Verbrenner und braucht dafür Hilfe, um die EU-Strafen zu vermeiden. Zweitens: Selbst eine Marke wie Porsche ist jetzt auf einen chinesischen Elektrohersteller angewiesen, um compliant zu bleiben. Ob sich das für Porsche auszahlt, werden wir sehen. Bin da eher skeptisch, denn solche strategischen “Umschwenkungen” kosten Unsummen.
Porsche selbst sagt dazu nur, das schaffe Flexibilität in der Transformation zur Elektromobilität und ändere nichts an der langfristigen Strategie. Man investiere weiter in Elektrifizierung.
Der neue Pool ist als offener Pool angelegt. Das heißt, Porsche verwaltet ihn und bis zum 05. September 2026 konnten sich weitere Hersteller bewerben. Ob sich noch jemand angeschlossen hat, ist bisher nicht veröffentlicht.
Meine Quellen für euch, falls ihr selbst nachlesen wollt:
EU-Deklaration Intent-Pooling-Liste (CIRCABC) – hier liegt das Filing vom 05.08.2026:
https://circabc.europa.eu/ui/group/06a33a38-6e2a-4aea-8a7e-65f9e31b3dd6/library/a06d09e3-5e8c-4f8a-bf7b-2f7c4e5a5c3a/details
Hinweis: Die EU veröffentlicht die Pooling-Liste als PDF. Das Update mit Porsche/Xpeng ist die Version vom 05.08.2026.
electrive.net – Porsche und Xpeng bilden neuen CO2-Pool (12.08.2026):
https://www.electrive.net/2026/08/12/porsche-und-xpeng-bilden-neuen-co2-pool/
Drehmoment.net – Porsche und XPeng: Neuer CO₂-Pool nach Ausstieg bei Volkswagen:
https://drehmoment.net/porsche-und-xpeng-neuer-co2-pool-nach-ausstieg-bei-volkswagen/
Vision Mobility – Porsche: Neuer CO₂-Pool mit XPeng für 2026 und 2027:
https://vision-mobility.de/news/porsche-neuer-co2-pool-mit-xpeng-fuer-2026-und-2027-363636.html
Schmidt Automotive Research – Quelle für die 20.000 / 50.000 Auslieferungen:
https://www.schmidtmatthias.de/
Handelsblatt-Berichterstattung (via Finanznachrichten Pressespiegel):
https://www.finanznachrichten.de/nachrichten/2026/08/64543222-pressespiegel-unternehmen-thyssenkrupp-porsche-sonnen-wendy-s-los-angeles-lakers-015.htm
Englische Zusammenfassung electrive.com:
https://www.electrive.com/2026/08/12/porsche-to-form-eu-co2-pool-with-xpeng/
Ich halte das Thema im Auge. Wenn neue Hersteller in den Pool kommen oder die finanziellen Details bekannt werden, poste ich es hier.